Zwischen Sommerlicht und ersten Herbstfarben.
Vier perfekte Septembertage
Wenn der Sommer sich noch nicht verabschiedet.
Der September lässt sich in Lunz nur ungern auf eine Jahreszeit festlegen. Morgens liegt ein leichter Dunst über dem See, als hätte die Nacht ihn dort vergessen. Mittags erinnert die Luft noch an Sommer – golden und satt. Und erst wenn sich der Abend über die Bergkämme legt, ahnt man, was in den kommenden Wochen kommen wird. Vier Tage lang darf man im besten aus allen Welten bleiben.
SONNTAG: Ankommen
Der Weg hierher zeigt erstes buntes Laub auf den Bäumen. Ausatmen. Das Gepäck bleibt stehen, wo es steht – Zeit dafür findet sich später. Mit einem Glas in der Hand führt der erste Weg hinaus auf die Terrasse. Die Ybbs erzählt von lauschigen Sommermomenten und lustigen Abenden. Ein kleiner Spaziergang?
Wer den See lieber vom Wasser aus betrachtet als mittendrin, nimmt sich bei der Bootsvermietung Leichtfried ein Ruder-, Tret- oder Elektroboot und lässt sich über die spiegelnde Fläche treiben. Gegen Abend, wenn das Licht langsam gülden wird, lohnt sich ein Platz am Ufer – für den ersten Sonnenuntergang der Woche.
MONTAG: Auf den Spuren der Schmiede
Gestärkt vom feinen Frühstück geht es nach Ybbsitz, wo das Eisenhandwerk dem Ort über Jahrhunderte seinen Stempel aufgedrückt hat. Der Themenweg „Schmiedemeile“ beginnt bei FeRRUM – Welt des Eisens, mitten im Ort, und führt entlang von acht Stationen durch die Geschichte der Schmiede und Schleifer.
Ein Höhepunkt ist der Fahrngruber Hammer, eine seit dem 16. Jahrhundert bestehende Hackenschmiede, in der Schmiedevorführungen zu sehen sind – wer mag, versucht sich selbst am Amboss. Am Ende des Weges wartet eines der letzten erhaltenen historischen Hammerwerke des Orts. 7,98 Kilometer, 261 Höhenmeter, mittlere Schwierigkeit – ein Tag mit etwas mehr Gehzeit, der sich aber für den Weg zwischen Feuer und Eisen lohnt.
DIENSTAG: Am Wasser entlang
Vom ehemaligen Gasthaus Kögerlwirt führt der Themenweg „Die Kraft des Wassers“ hinein ins Steinbachtal bei Göstling an der Ybbs – auf Asphalt-, Schotterwegen und Holzstegen. Er ist sogar kinderwagentauglich und mit einer Zeit von rund eineinhalb Stunden auch für eher Ungeübte gut machbar. Der Weg passiert eine historische Turbine, den Rastplatz an der alten Esse des Vorderhammers und schließlich die „Noth“-Schlucht – ein enges, kühles Naturdenkmal, durch das schmale Holzstege über tosendem Wasser führen.
Wer noch nicht genug hat, wandert weiter zur Rothschildschen Holzknechtsiedlung und zu den alten Aquädukten der Wiener Hochquellenleitung: stille Bauwerke aus einer Zeit, in der das Wasser dieses Tals bis in die Hauptstadt floss.
MITTWOCH: Ab ins Moor
Bevor der Abschied näherrückt, führt der letzte Weg über Göstling an der Ybbs hinauf zum Hochmoor Leckermoos – eine stille, 25 Hektar große Moorlandschaft im Hochtal, die in den frühen 2000er-Jahren behutsam renaturiert wurde. Ein Rundweg mit elf Stationen erzählt von der Entstehung des Moores und seinen seltenen Lebensgemeinschaften, vorbei am dunklen „Moorauge“ im Zentrum des Feuchtgebiets. Der Themenweg benötigt nur rund 45 Minuten, ist leicht und kinderwagengeeignet – ein mystischer Vormittag zum Abschluss, ehe der Blick sich schon wieder Richtung Heimreise wendet.
Gegen Abend geht es zurück ins Refugium Lunz.
Ein Tisch. Ein Mahl. Der Mittwochabend gehört bei uns dem gemeinsamen Tisch. In mehreren Gängen bringen wir, was die Region und die Saison gerade hergeben, manchmal mit einem Blick in die Küche, bevor serviert wird. Ein Abend, an dem geteilt wird – das Essen, die Gespräche, die Zeit.